image001.gif (66994 Byte) OTTERSBERG

 

 „Kritik der Sinne“     

     Sonntag, 03.Dezember. 2000                   

 

 

17.00 Uhr: `Digitale Malerei – Künstlerische Forschung´

 / Performance von Markus Landt

Hier zeigt der obsessive Künstler im Experiment: großformatige Malereien und digitale Film-Aufnahmen. Thema: Die Reproduktionsfähigkeit und Bildhaftigkeit der Neuen Medien diskutieren. Bewegliche Bilder. Zeitliche Qualitäten des sinnlichen Flächenverhaltens hinterfragen:

Imaginäre Flächen versus Körperliche Flächen

/ Imaginäre Flächen versus Nicht-Körperliche Flächen

These: Digitale Malerei als eine Spur der Hände.

(Eintritt frei)

 

19.15 Uhr:  Drei-Groschen-Kino - Eintrittspreis ist dreißig Pfennig !!!

Der Film im Themen-Zusammenhang: Sinnlichkeit von Bildern.

Hier: `Das poetische Bild´

Titel: Amarcord - `Ich erinnere mich´  / 75minuten / Italien 1972

Ein Film von Federico Fellini / Tonino Guerra

Regisseur und Drehbuchautor gewannen für diesen Film 1973 den Oscar in Hollywood für den besten Ausländischen Film.

Der Film erzählt die Geschichte einer italienischen Stadt in den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts: die seit den 50er Jahren von deutschen Touristen massenhaft besuchten Adria Stadt: RIMINI. Es entstehen die fragilen und anmutigen Geschichten der Bewohner. Poetische Bilder aus einem verklärten Alltag meist armer Menschen. Auch eine Poesie der Armut. Ein Film voll phantastischer Empfindungen. Tonino Guerra: „Wohin gehst du?“ Das erste Wort, das ich hörte in meinem Leben hieß: „wohin gehst du?“ Wir waren in einem großen Raum, ich und meine Mamma, saßen auf Säcken von Mais. Damals hatte ich rund ein Jahr und wusste nicht was das für Worte waren und wo sie hinliefen um zu enden.(aus: Tonino Guerra, Il Polverone. Milano 1978, 100. / sowie: Roland Günter, Poetische Orte, Essen, 1998, 18). Weitere gemeinsame Filme von Fellini / Guerra sind: `Fellini`s Schiff der Träume´, 1983 und `Ginger und Fred´, 1985.

 

 

 

Informationen

            :im Kultursalon   ·  `Digitale Malerei´ - Kritik der Sinne  ·     M. Landt Tel. o4892 – 951748

            

PRESSEMITTEILUNG

Digitale Malerei = Künstlerische Forschung

/ Performance von Markus Landt

 

    „Mit dem Selbstbewusstsein, das seinen historischen Boden in der Kunst hat, setze ich mich als Maler über alle Autoritäten, Orthodoxien und Dogmatik von Bildern hinweg. Das eigene Urteil hatte schon für Leonardo da Vinci eine entscheidende Rolle gespielt. Ich vertraue, gewachsen aus kunstwissenschaftlichen Studien und handwerklichen Fähigkeiten, meiner eigenen Neugierde, die heute, verwurzelt in demokratischer Erfahrungsoffenheit, vor nichts haltmacht.

    Ich vertraue bei den Künstlerischen Experimenten meinen intensiven und komplexen Erfahrungsfähigkeiten und meiner sich methodisch ständig weiterentwickelnden Intelligenz: sie führen mich dazu, meine wissenschaftlich künstlerischen Möglichkeiten als ein geradezu enzyklopädisches Unternehmen zu entfalten. In Kreisen laufend.

    Wie viele andere Künstler binde ich – ausdrücklich - die Wissenschaft und die Kunst, die Erkenntnis und die Liebe zusammen. Malerei ist für mich ein wissenschaftliches Erkenntnis-Mittel: darstellbar ist nur, was untersucht und hinterfragt ist. Den Zusammenhang von Rationalität und Empfindung beschreibe ich sinngemäß so: Ich sehe mehr, wenn ich liebe; dann hat mein Erkenntnis-Interesse ein tieferes Motiv – und wenn ich davon mehr weiß, liebe ich es mehr. Aufklärung und Poesie.

    Warum ich Kunst-Performances, sprich Aktions-Kunst mit Neuen Medien mache. Visuelles und Verbales besitzen zwar unterschiedliche Sprachebenen, aber beide werden – über Experimente, Auseinandersetzungen, Vergleiche – zu größerer Genauigkeit und Tragfähigkeit entwickelt. Ich will die Vielschichtigkeit von Bildern erlebbar machen. Wenn ich ein System der Perspektive als Erkenntnis bezeichne, dann im Sinne einer Mechanik. Perspektive ist aber viel mehr: erstens die sozial besetzte Stelle, der gelebte Raum, die spezifische Atmosphäre: und zweitens ist der Raum, der jeweils konkrete, besondere Bezug zwischen Menschen, und zwischen Ereignissen. Perspektive ist also ein Mittel, um – je nach Situation – Kommunikation herzustellen.

    Nähe und Entfernung, Hier und Jetzt: der genaue, geprägte Augenblick. Alberti schreibt 1436 über die Malerei: „Wir Maler, die wir die Bewegungen der Seele mit Hilfe der Körperteile darstellen wollen, bedienen uns hierzu nur der Fortbewegung von Ort zu Ort.“ Bilder als einen gemeinsamen Boden für jedes individuell Ausgeprägte zu schaffen. Die Perspektive ist dann im Bild die Intensivierung des Gewebes der kommunikativen Struktur. Vor allem die Bezüge zu uns als Menschen: Einbezogen sein.“

 

(Text aus: Markus Landt,  `Bildnerische Praxis der NeuModernen Malerei´, Worpswede, 2000)