Manuel Garde

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Hinter der Mitte

 

Ausgehend vom Bildkonstruktionsprinzip des „ goldenen Schnittes“ ergibt die extreme Ausdehnung einer Bildperspektive im fotografischen Sinne eine bemerkenswerte Veränderung seiner Organisation.

In der Totale verlagert sich der Schwerpunkt eines Bildes auf die Mitte, die dadurch eine gesteigerte Wirkungsqualität erhält.

Horizontale und Vertikale treffen sich dort als primäre Achsen.

Die „zentrale Frage“ beantworte ich mit der poetisch gemeinten Behauptung, dass sich dort das allenthalben postulierte „Geistige in der Malerei“ befinden müsse.

Für diesen offensichtlich irrationalen Sinngehalt, dessen freihändige Formulierung in Malerei keine Antworten jeglicher Art bereithalten kann, bedarf es für mich eines dezidiert realistischen malerischen Umfeldes, um mit ihm möglichst wirksam korrespondieren zu können.

Damit suggeriert dieses Ereignis in der Bildmitte so etwas wie eine Essenz, die nur ahnbar bleibt und deshalb von mir hinter ihr liegend vermutet wird.

Für dieses Experiment bedeuten die Parameter der mich umgebenden Landschaft Vielfalt, Inspirationsquelle und Chance zugleich

 MANUEL GARDE  März ,2002.

 

 

Beglaubigt

 

Je realistischer ein gemaltes Bild ist, desto kritischer wird es vom Betrachter hinterfragt.

Dieser Effekt ist der Ausgangspunkt einer konzeptkünstlerischen Arbeit, in der zuerst ein fotorealistisches Selbstportrait als Passfoto reproduziert wurde und dann via Meldestelle und Bundesdruckerei in Form eines Reisepasses zurückkehrt.

Hier setzt der eigentliche Umgang mit dieser „amtlich beglaubigten Malerei" überhaupt erst an.

Alle Originalmaterialien werden als Original, oder augentäuscherisch gemaltes Original verarbeitet. Wie z.B. das für das „Mutterbild" verwendete Hemd, die von vornherein als wiederkehrendes Form- und Farbsignal eingeplante Krawatte, die Brille, die Fotos, Passfoto und der Ausweis selbst, als vergrößerte Farbkopie.

Die 10- teilige Bildserie beinhaltet außerdem ein „Reliquiar", in dem u.a. Originalmaterialien an die gottgleiche Verehrung menschlicher Spuren erinnern, und eine 10- teilige Serie kleiner, expressiv gemalter, dem Mutterbild nachempfundener „Identitäten", die mit der zustandsabhängigen Erscheinung eines Gesichtes spielt.

Ein improvisatorischer Diskurs über die vielfältigen Aspekte und Bedeutungen von Identität, Abbild, möglicher Verfälschung, Fotografie usw.

Das „selbstgemalte Passbild" wirft die interessante Frage nach der Sinnbestimmung von Malerei als Ausdrucksmittel heute in allgemeiner Weise auf, im besonderen aber die nach einer Aufgabenstellung für gegenständliche Malerei im Spannungsfeld zwischen Fotografie und Computergrafik.

 

 

 

Das Kreuz

 

Seit 1993 beschäftige ich mich experimentell mit der christlichen Ikonografie, in dem ich in meiner Malerei die Wirksamkeit einer durch sie geprägten Bildauffassung beim europäischen Betrachter in verschiedenen Aspekten überprüfe.

Die Fragen lauten:

Was kann Malerei im Zeitalter von Multimedia und Digitalfotografie und welche Bedeutung hat Langsamkeit im Bildprozess?

Da ich von der Fotografie komme, sehe ich meine Malerei als „Fotografie mit anderen Mitteln", oder auch als „gesteigerte Fotografie" an.

Ich bin dabei zu der Überzeugung gelangt, dass die wesentliche Bildsprache als Basiscode eigentlich jedem Rezipienten und jedem Bildschaffenden unvermindert verinnerlicht und durch seine lange Entstehungsgeschichte im Grundzug kaum noch einem Wandel unterworfen ist. Dadurch ist sie bei einem bewussten Umgang mit ihr ein außerordentlich wirksamer Kommunikator.

In jahrelangen Arbeitszyklen näherte ich mich diesen Mechanismen an und erarbeitete dabei folgende Versuchsreihen:

-Köpfe- 1993-99, -Das Zeichen- 1998-01, Beglaubigt 2000, -Hinter der Mitte- 2001-03. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit alter Choralmusik, ihrer Übertragung auf den Kontrabass, (Das verdeckte Kreuz, CD im Katalog) und ihre Liveperformance mit verschiedenen Duopartnern in Ausstellungskontexten.

DAS KREUZ ist Überschrift für ein Arbeitsprojekt, in dem der Eckpfeiler der symbolgeladenen sakralen christlichen Urformen als nicht vom Menschen, sondern von der Natur vorgegebene Geste so mit Malerei verbunden vorgelegt wird, dass beide Medien sich in ihrer überlieferten Funktion reiben, oder verstärken müssen.

Die Einfachheit undramatisierter Sujets auf simpler Leinwandbahn in eher kleineren Formaten, mit deutlich malerischem Duktus sind mir dabei aber so wichtig, wie die Anmutung von Authentizität einer scheinbar realen Wirklichkeit.

 

MANUEL GARDE  Juni 2000 Findorffstraße 8 27726 Worpswede + 49 4792 310172 Garde @ haiss.net

 

 

 

Galerie I

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