Trude Parkinson ist eine Künstlerin, die sich
hauptsächlich der Malerei widmet. Ihre doppelseitigen Bilder (Öl und
Collagen) werden vielerorts ausgestellt. In den USA und in England finden
sie viel Anerkennung. In den Ausstellungen hängen die Bilder in Gruppen an
der Decke und sind mit Kupferdraht oder transparenten Bändern befestigt.
In dieser Anordnung zeigen ihre Arbeiten Räume oder Wege, die
Assoziationen von Erinnerungen und Reisen erzeugen. Parkinsons Repertoire
umfasst ebenfalls Aquarelle, Monotypien, Collagen, Bücher und Bildhauerei.
Gemeinsam mit anderen Künstlern führte sie interdisziplinäre
Installationen als konzeptgetragene Gemeinschafts-projekte aus. Sie
erhielt mehrere öffentliche Kunstaufträge und über ihre Arbeiten wurde in
zwei Fernsehdokumentationen berichtet. Sie hat außerdem eine Reihe von
Ausstellungen betreut. Z.B. eine kürzlich stattgefundene Ausstellung von
Aquarellen, in der besonderes Gewicht auf bisher unübliche Versuche zur
Verwendung von Aquarellfarben gelegt wurde. Zu dieser Ausstellung
verfasste sie die Einführung. Ihre Kunst findet man in vielen
zeitgenössischen Sammlungen, einschließlich der Henry Ford Collection
Grosse Point, Michigan und des Museums Women in the Arts, Washington, D.C.
Parkinsons beschäftigt sich zurzeit in erster Linie mit
der Weiterführung der Serie ihrer Ölbilder mit Collagerückseiten. Die
Bilder zeigen einzelne Personen, die dem Betrachter den Rücken zukehren.
Jede Figur befindet sich auf einem Weg und scheint in einem Moment des
Nachdenkens und der Betrachtung an einem gewählten Punkt einer
individuellen Reise zu verharren. Die Bilder entwickeln sich zu einer
Erzählung. Erinnerungen werden deutlich und geben Hinweise auf das nächste
Kapitel. Die Idee des Weges bekam eine unerwartete Bedeutung für
Parkinson. Ausgelöst durch Reisen in Norddeutschland, wo ihr Vater geboren
wurde und gelebt hatte, bevor er in die USA emigrierte, folgt sie in ihren
Bildern der eigenen Lebensreise. Als Motiv leitet sie die Idee, dass sich
Weg, Erinnerung und individuelle Fortbewegung kreuzen. Parkinson erklärt
dazu: " Früher standen meine Figuren im Kontext von imaginären und
abstrakten Landschaften. Nun möchte ich sehen, wohin bestimmte Wege führen
und welche Rolle Flüsse, Bäume und Küsten im visuellen Drama meiner Bilder
spielen können. Ich beabsichtige, die Aspekte der Landschaften, die ich in
Deutschland vorfinde, zusammenzubringen und sie, wenn ich nach Oregon
zurückkehre, zu interpretieren und auf meine formalen und expressiven
Bedürfnisse treffen zu lassen. Meine visuelle Topographie soll dadurch
bereichert werden.
Parkinson hat Worpswede als Ausgangsort ihres
Deutschlandaufenthaltes gewählt, da sie sich für die Kunst Paula
Modersohn-Beckers und die Werke Rainer Maria Rilkes interessiert. Sie
wollte ebenso das Flachland und die Moore, die am Horizont auf den Himmel
treffen, erkunden. Von Worpswede aus reiste sie nach Flensburg, dem
Geburtsort ihres Vaters, über Wackerbollig zum ursprünglichen Naturgebiet
nahe Gelting. Zudem bereiste sie Teile der Nordseeküste. Hierzu sagt sie:
"Dies sind Landschaften, die im Einklang mit meinem Vater stehen. Er
suchte ähnliche Landschaften im Norden Kaliforniens als Orte für seine
Familie: Die San Joaquin Flussdelta-Sümpfe, flach, mit Torfmoor und Nebel.
Wir waren an vielen Orten der Pazifikküste von Kalifornien nach Oregon,
entdeckten Fischerdörfer und abgeschiedene Natur."
Seit sie sich in Worpswede aufhält, stellt sie fest,
dass ihr größtes Interesse der Aquarellmalerei gilt. "Ich will so oft wie
möglich draußen sein, die Luft fühlen und die Atmosphäre und die Stimmung
von Orten erleben. Aquarellfarben sind fast pures Pigment und Wasser, die
Substanzen der Erde und des Himmels. Regen fällt auf die Erde, und die
Erde reicht Feuchtigkeit durch die Verdunstung in den Himmel zurück. Der
gleiche Prozess vollzieht sich in Aquarelllandschaftsbildern, wenn der
Anstoß zur Darstellung nicht abstrakt ist sondern vielmehr der sinnlich
erfahrene Ort ist und dem Medium ein Eigenleben erlaubt wird. Hier in
Worpswede ist die Luft oft feucht, sogar wenn es nicht regnet. Der
Luftdruck beeinflusst die Trockenzeit der Farben, d.h. sie ist oft sehr
lange. Andererseits erlebte ich in den letzten Monaten manchmal einen
heißen Wind, der die Farben sehr schnell trocknen ließ und damit die Natur
der Bilder veränderte. Für mich ist es wichtig, beim Aquarell mit
spontanen Linien und Verläufen zu arbeiten. Ich möchte eine Landschaft
malen, wie sie sich für mich spontan anfühlt. Eine Landschaft, die die
Vorstellung von Erde und Wasser, Wachstum und Verfall hervorruft. In der
man zwar Landschaft und Himmel sieht, aber, was noch wichtiger ist, deren
Atmosphäre zu spüren ist: die Stimmungen durch Luft, Sonne, Wolken und
Regen, sodass man ein Vorstellung des sinnlich erfassbaren körperlichen
Aspektes der Malerei selbst erhält."
Parkinsons Aufenthalt in Worpswede wird teilweise
unterstützt durch eine Künstlerstiftung der Oregon Arts Commission.
Gleichzeitig wurde ihr ein Stipendium der Heitland Stiftung in Celle
gewährt.