Es war Marcel Duchamp, der im Jahre 1913
erstmals einen Gebrauchsgegenstand aus seinem alltäglichen
Kontext löste, ihn zum Kunstwerk erhob und damit großes
Aufsehen erregte. Duchamp prägte so den Begriff "Ready-made"
und thematisierte die Frage nach dem Kunstverständnis. Damit
stellte Duchamp nicht nur die Weichen für die konzeptionelle
Kunst der 60er Jahre, das "Ready-made" bildete auch den
Ausgangspunkt für die Entwicklung der Objektkunst. Ihre
Geschichte umfasst eine vielfältige Ausdrucksskala, die von
der absurd - poetischen Materialmontage des Dadaismus über
Materialhappenings und Assemblagen der Pop-Art bis zu den
heutigen Rauminstallationen reicht.
Die Arbeiten von Oliver Zabel sind
inmitten dieser Skala einzuordnen. Für seine Installationen
und Objekte sucht und sammelt er banale, scheinbar wertlose
Gegenstände und bringt sie in neuen Zusammenhang. Die
alltägliche Schönheit der Fundstücke wie Mausefallen,
Schrauben, Drähte, Porzellanscherben ordnet er in seinen
Objektkästen zu einer neuen ästhetischen Einheit an. Nicht
rein konzeptionell, sondern auch intuitiv positioniert
Oliver Zabel die einzelnen Elemente in Holzkisten und
Schubläden. So entsteht durch eine scheinbar zufällige
Anordnung ungewöhnlicher Gegenstände ein besonderes
Spannungsgefüge. Wie auf kleinen Bühnen präsentiert er seine
objets trouvés. Durch die veränderte Wahrnehmung werden sie
dort zu poetischen und oft auch ironischen Inszenierungen
des Alltäglichen. Sie verkörpern Realität und Mythos
zugleich.
Von einem ähnlichen Prinzip kann man auch
in der Malerei Oliver Zabels sprechen. Doch entdeckt er
jetzt seine objects trouvés nicht auf dem Flohmarkt oder dem
Sperrmüll, sondern in Enzyklopädien, Lexika und anderen
wissenschaftliche Büchern. Es handelt sich hierbei um
Grafiken und Karikaturen, die er aus ihrem Sinnzusammenhang
löst und neu zusammensetzt. Fototechnisch vergrößert er die
Grafik und überträgt sie mit der Technik der Frottage auf
die bereits mit der Farbe behandelte Leinwand. Es kommt zu
einem Spiel mit formalen und ästhetischen Mitteln, wobei die
Farbe lasierend als auch pastos auf den Bildträger gebracht
und wieder mit neuen Formen überarbeitet wird, so dass auch
hier eine gewisse Plastizität entsteht. Die flächige
Leinwand suggeriert die Illusion einer Bühne, auf der sich
durch die komplexen Bildgefüge neue Geschichten aus
Gegenwart und Vergangenheit entwickeln, die der Künstler dem
Betrachter jedoch selbst zu Ende erzählen lässt.
Donata Holz